Signora Etna – Immer mal ein Emissiönchen

Während der Tungurahua in Ecuador eine zehn Kilometer hohe Rauchsäule in die Luft schickt und seine Aschewolke bis in die Hauptstadt Quito reicht, pafft der Ätna gemütlich vor sich hin. Solange er das tut, herrscht Ruhe im Land. Und an seinem Fuß wachsen Zitronen, Orangen, Feigen, Mandeln. Alles was die überaus fruchtbare Lavaerde hergibt. Trotzdem:  Das kann er auch!

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Verschüttetes Haus am Etna. Foto: Flora Jädicke

Es ist noch gar nicht so lange her, als die Lavamassen das Haus unter der Glut  fast gänzlich  begruben.  Auch die Seilbahn, die Touristen Parkranger und Sizilianer  vom Refugio Sapienza Etna Süd  auf 1920 Meter bis  auf 2500 Meter  zum Aussichtspunkt La Montagnola  hinaufbringt, wurde mehrfach unter der Lava begraben und jedesmal wieder aufgebaut. Zuletzt im Jahr 2002.

Die Sizilianer nennen den Etna schlicht Berg

Warum die Sizilianer und vor allem die Menschen im kaum 60 Kilometer entfernten Catania dennoch ruhig schlafen, erklärt Vulkan Ranger und Guide Jean Baptista so. „Die Chemie der Lava ist zu dünn und erkaltet in den meisten Fällen, bevor sie Catania erreicht.“ Anders sieht es bei den umliegenden Dörfern am Hang des ehemals fast 4000 Meter hohen Vulkans aus. Für sie droht Gefahr aus  rund 200 Nebenkratern. Für die Städtchen Zafferana, Pedara oder Nicolosi könnte jede Hilfe zu spät kommen, käme es zu einem ernstzunehmenden Ausbruch wie im Jahr 2001. 1983 wehrten sich die Menschen zum ersten Mal gegen die Urkräfte des Mongibello, wie die Sizilianer ihn nennen – schlicht „Berg“ – und leiteten die Lava durch Sprengungen um in ein abgelegenes Tal.

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Heiligen Figuren gegen den Lavastrom. Foto: Flora Jädicke

Auch Catania war nie ganz sicher. Mehr als einmal erreichte die  Lava die Stadt. Die völlige Zerstörung bis auf 5 Gebäude war allerdings das Werk des Erdbebens von 1669.

„Aber jedem Ausbruch gehen unterirdische Aktivitäten voraus“, klärt uns Jean Baptista auf. Beim Ätna findet die Lava ihren Weg oft durch Risse und Spalten, aus denen neugeborene Nebenkrater entstehen, die nach der Eruption wieder sterben. „Signora Etnas“ schwächste Stelle aber sind ihre Flanken. Brechen sie, gibt es kein Halten mehr. Aus allen Fugen strömt dann Lava und die verwüstenden pyroclastischen Ströme laufen schnell den Hang herab. Die alte Dame könnte regelrecht auseinanderfliegen.

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Mysthisch wirkt die Landschaft. Foto: Flora Jädicke

Den Etna immer im Blick

Und so geht jeder Catanese mit einem Blick auf den Ätna ins Bett. Und der erste Blick am Morgen gilt auch der launischen Signora, denn der Vulkan, so sagt der Rager ist im Italienischen weiblich. So lange die Signora immer mal ein Emissiönchen ausstößt, ist alles in Ordnung. Denn anders als der Vesuv lässt der Ätna ständig Dampf ab. Das letzte Wort  hat also immer sie. Und so leben die Sizilianer in einer ehrfürchtigen Koexistenz mit der 3397 Meter hohen, heißblütigen Nachbarin.

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Mit Schnee bedeckt bis in den April. Foto. Flora Jädicke

Wir haben uns Baptista mit einer kleinen Gruppe angeschlossen und sind mit dem Unimog durch Meter hohe Schneewände und tiefschwarzen Lavastein erst bis zum Refugio  Sapienza Etna Süd gefahren. Hier endet die offizielle Straße. Von dort aus geht es im Parco Nationale dell Etnea nur noch mit der Seilbahn auf 2500 Meter.  Wer weiter hoch will, der muss laufen oder mit dem Ranger in einem der Off-Roader über buckelige Pisten auf 2920 fahren bis zum Torre del Filosofo, der trotzig aus der Lava ragt. Hier oben  hängen die Wolken dicht über dem Boden. Man sieht gerade noch den Vordermann. Dann ist Schluss.

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Wie eine Marslandschaft mit Schnee. Foto: Flora Jädicke

An den Ausläufern eines Kraters , der beim letzten großen Ausbruch 2001 und 2002 entstand, ist die Exkursion für all diejenigen beendet, die ohne Guide unterwegs sind. Mit Jean Baptista gehen wir noch gut 20 Minuten durch die schwarz-weiße Kraterlandschaft. An der Nordflanke wurden einst Roboter der Nasa getestet für den Weltraumeinsatz.

„Weil die Landschaft, der des Mars ähnlich ist“, sagt Jean Baptista. Wir durchqueren eine  bizarre Wüste von unwirklicher Schönheit. Kaum zu glauben, dass auf diesem Boden auch nur ein Grashalm wächst. Und tatsächlich dauert es einige Hundert Jahre, bis die blühenden Landschaften entstehen, die man aus der Region um den Ätna kennt.

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An seinen Rändern ist der Etna fruchtbar. Foto: Flora Jädicke

Vom Fuß des buckligen Riesen stammen die typischen Früchte der Vulkanerde. Maronen, Pistazien, Birnen und Äpfel, Kirschen und hervorragender Wein. Zafferana ist die Stadt, aus der der beste Honig kommt. Nicht umsonst betrachten die Sizilianer die paffende Signora als guten Geist von Sizilien. Sie hat das Land fruchtbar gemacht. Die Reise wurde unterstützt vom Italienischen Zentrale für Tourismus  Deutschland ENIT.

www.enit.de  www.parcoetna.it

Ätna Exkursionen sollte man nur mit einem erfahrenen Guide unternehmen. Es gibt zahlreiche Wanderwege:

Natur-Wanderweg:  Monte Nero Degli Zappini; Monte Zoccolaro; Monte Sartorius;

Wanderweg: Pietra Cannone-Cubania; Cisternazza Monte Spagnolo; Piano Dei Grilli

Wanderweg für alle: Gurrida

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