Als Bestager im Kinderparcour von Zauchensee

Der Ex-Weltmeister Michael Walchhofer macht Profis „skifit und sicher“ – und auch Späteinsteiger. Ich starte einen Selbstversuch in seiner Heimat Zauchensee.

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Die Hänge sind breit und hervorragend geeignet für Anfänger und Wiedereinsteiger. Foto: Flora Jädicke

Wenn doch Rainhard Fendrichs bös-amüsante Sportlerlyrik nicht durch meinen Kopf jagen würde. „Weltcup-Abfahrtsläufe machen eam a bisserl müd, awa er is abgebrüht. Wenn eam dabei irgendwas erregt, dann nur, wenn’s einen ordentlich zerlegt…“ Mein Blick geht ängstlich rüber an den Nachbartisch zu Ex-Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer. Doch das Weltcup-Ass ist von Fendrichs Sportmärchen Lichtjahre entfernt.

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Perfekt ist die Videoanalyse für den eigenen Fahrstil. Foto: Flora Jädicke

Keine Spur von abgebrüht. Walchhofer sitzt mit seinem Bruder im familieneigenen Hotel in Zauchensee und führt Ski-Cracks, Wiedereinsteiger und Anfänger durch die Videoanalyse eines speziellen Pistentrainings. „Skifit & sicher“ lautet das Motto. „Drei Tage mit zweieinhalb Stunden Unterricht am Vormittag und man fühlt sich wieder sicher auf den Brettern“, sagt Peter Walchhofer, Leiter der Weltmeisterskischule, bei der ich mich angemeldet habe.

Pfeif auf Fendrichs Untergangsvisionen

Pfeif auf Fendrichs Untergangsvisionen. „Skifahren ist schöner als Fliegen“, hatte einst der alte Abenteurer Ernest Hemingway den Sport gelobt. Also wage ich es. Im fortgeschrittenen Alter lerne ich Skifahren. Im Skigebiet Altenmarkt/Zauchensee geht das. Hier sind Anfänger jeden Alters willkommen.

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Mit Skilehrer Peter. Foto: Tourismusverband Altenmarkt-Zauchensee

Und so schließe ich mich mit einer Kollegin einem der zahlreichen Peters an, die hier jede Saison die Neulinge auf die Bretter stellen. Vor der Tür des Hotels wartet er bereits. Ich habe mich wintertauglich verpackt. Knapp 12 Grad unter Null sind es hier auf 1350 Meter Höhe. Mein erster Tag auf Skiern beginnt zwischen lustigen Pumuckelfiguren und einem Förderband, dass  normalerweise Dreijährige die kurze Anhöhe in der flachen Mulde an der Talstation hinaufbringt.

Weltcup-Piste flößt Respekt ein

Von hier aus wirkt das „Kälberloch“ auf der  gegenüberliegenden Seite fast beschaulich. Doch vorerst reicht mir der Blick auf die legendäre Weltcup- Abfahrt, die auch Profis noch Respekt einflößt. „Keine Sorge, wir fangen ganz von vorne an“, sagt Peter. „Immer zuerst den Tal-Ski anschnallen.“Die Profis werden jetzt gähnen. Aber genau das tut Peter nicht. Im Skigebiet rund um das Hoteldorf kommen Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen auf ihre Kosten. „Im Skiverbund Amadé haben wir die sportlichsten Ambitionen“, sagt Peter. „Deshalb legen wir viel  Wert auf die richtigen Grundlagen.“ Lawinenkunde und FIS-Regeln Und so rutscht mein erster Skitag  sturzfrei an mir vorüber.

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Wintertraum pur entlang der Pisten. Foto: Flora Jädicke

Am zweiten Tag absolvieren die Kollegen einen Crashkurs in Lawinenkunde bei Michi Walchhofer. Mich erwartet der Übungslift in Zauchi’s Kinderland und Peter sorgt dafür, dass mir die FIS-Regeln in Fleisch und Blut übergehen. Viele 50plus-Anfänger hat er nicht. An die 60 sind es pro Saison. Sie werden ebenso fürsorglich betreut wie die Skizwerge. Und so mache ich meine ersten Schwünge vom Rosskopf bereits nach sechs Trainingsstunden.

Fendrichs Untergangslyrik habe ich beim Pistenspaß vor der Kulisse von Gamskogel und Steinfeldspitze ganz und gar vergessen.

http://www.altenmarkt-zauchensee.at/de

Fotos: Flora Jädicke & Tourismusverband Altenmarkt Zauchensee

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