50 kleine Abenteuer im Odenwald

Reisende kann man nicht aufhalten. Das schafft auch die Covid-19 Pandemie nur bedingt. Und so besinnen sie sich Land auf Land ab viele Menschen auf die Ausflugsziele vor der Haustüre. Ohne Zweifel: Es war Zeit die Heimat zu entdecken. Reiseautorin Cornelia Lohs schnürte die Wanderstiefel und machte sich auf den Weg, hinein in 50 Mikroabenteuer von Heidelbereg bis in den Odenwald – eines für jede Woche.

Am Ende war sie überrascht wie vielseitig ihre Heimat ist. Die Gipfel des Kohlhofs, Heidelbergs höchste Siedlung oder der des Königstuhls über die alten Steinstufen der Himmelsleiter einmal, zweimal oder öfter zu erklimmen, das war eine neue Erfahrung. Und  „ich schämte mich, wie wenig ich mich doch in der näheren Umgebung auskannte“, gesteht die weitgereiste Autorin. Ganz zu schweigen von dem nahe gelegenem Neckar-Odenwald-Kreis mit seinen östlichen und westlichen Ausläufern oder gar dem hessischen Teil des Odenwaldes.

Das Städtchen Moosbach im östlichen Neckar-Odenwald-Kreis. Foto Cornelia Lohs
Das Städtchen Mosbach im östlichen Neckar-Odenwald-Kreis. Foto Cornelia Lohs

Einsame Täler und Fachwerkstädtchen

Es war eine spannende Reise in beschauliche Fachwerk-Städtchen. Eine führte sie in das hübsche Mosbach, die größte Stadt im östlichen Neckar-Odenwald-Kreis. Die andere ins unterfränkische Barockstädchen Amorbach im bayerischen Teil oder nach Michelstadt im hessischen Odenwald, wo, wie sie schreibt, „eine Sehenswürdigkeit die nächste jagt“.

Lohs folgte Spuren zu abgelegenen Gasthäusern, Burgen und Schlössern, auf denen einst Schlossherren wie der Götz von Berlichingen wegen einer Unflätigkeit zu Weltruhm gelangte. Oder war es doch Johann Wolfgang v. Goethe, der den Reichsritter und Herren der Burg Hornberg mit seinem Zitat, dass er 1774  seiner gleichnamigen Hauptfigur in einem Theaterstück in den Mund legte, unsterblich machte.

Nun wer nicht weiß wovon die Rede ist, für den lohnt sich, im erst vor wenigen Tagen erschienen Reiseführer „Odenwald“, aus der Reihe „Heimat Momente“ im Verlag 360° medien nachzulesen. Aber auch alle Connaisseure erwartet eine spannende Lektüre voll gepackt mit Geschichte und Geschichten.

Landgasthaus zur Mühle, wo noch immer Getreide gemahlen wird. Foto Cornelia Lohs
Landgasthaus zur Mühle, wo noch immer Getreide gemahlen wird. Foto Cornelia Lohs

Lohs vermisst den Odenwald genau und präzise. Er erstreckt sich über die Hügel und Berge eines Mittelgebirges, dessen höchste Erhebung, der 627 Meter hohe Katzenbuckel ist. Der erloschene Vulkan ist nur einer von rund 80 Bergen. Dazwischen liegen „einsame Täler, wildromantische Schluchten, geheimnisvolle Höhlen“ –  wie die Dossener Klause  das Refugium eines Eremiten –  „Flüsse, Seen und rauschende Bäche.“

Der Blick hinunter von der Burg Hirschborn (Blog-Titelbild) hinunter auf den Neckar ist atemberaubend romantisch. Weit weniger romantisch war die Flucht der Revolutionäre 1849 auf die Festung, die sie zu einem weiteren Schauplatz der „Badischen Revolution“ machte.

Die Dossener Klause - Höhle des Eremiten. Foto Cornelia Lohs
Die Dossener Klause – Höhle des Eremiten. Foto Cornelia Lohs

Kurzweilige Geschichtslektion

Für diejenigen, die historisch-fundiertes Hintergrundwissen dem allgegenwärtigen shopping-Tipp vorziehen ist dieser kompakt Reiseführer ein unverzichtbarer Begleiter. Ideal zur Vorbereitung und zudem auch noch ein Genuss für Leseratten. Die geballte Geschichtslektion über den Odenwald ist ebenso lehrreich wie kurzweilig geschrieben. 

Der Band ist hervorragend strukturiert und folgt darin der Logik der geographischen Gebiete. Den Auftakt macht ein persönliches Vorwort und eine kurze Vorstellung des Odenwaldes. Daran schließt sich jeweils ein ebenso kurze Einführung in die drei großen Regionen an – Bayerischer Odenwald, Neckar-Odenwald-Kreis Baden-Württemberg, der sich im Laufe des Büchleins noch einmal in Ost- und West-Teil untergliedert und Hessischer Odenwald mit Bergstraße.

Es folgen die Top 10 Sehenswürdigkeiten, zwei Seiten Kurioses und Besonderheiten eine Übersichtskarte und anschließend auf jeweils vier Seiten die 50 Mikroabenteuer.

Heimat Momente Odenwald Deckblatt Quelle: Verlag 360° medien
Quelle: Verlag 360° medien

Jedes Abenteuer wird auf einer Seite ergänzt mit wertvollen Informationen zu „Lage“ und „Anfahrt“. Die „Anreise mit dem ÖPNV“ wird jeweils unter einem gesonderten Punkt beschrieben. Dazu kommen in allen Fällen nützliche Hinweise zu „Weiteren Aktivitäten“, teilweise Hinweise zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen, Tipps zu „Unterkünften“, wo möglich und die Adresse zur „Webseite“.

Den einzelnen Kapiteln ist eine Übersichtskarte vorangestellt, mit der numerierten Lage des Ausflugsziels. Die Karte zeigt neben den Bundes- und Kreisstraßen auch die topographische Umgebung. Für mehr Details greift man aber besser auf eine ausführlichere Tourenkarte zurück. Mit 180 Farbbildern ist der kleine Reiseband üppig bebildert und macht große Lust auf den geheimnisvollen Odenwald und seine versteckten und auch hin und wieder gut sichtbaren Schätze.

Adelige, Künstler und Genießer im Odenwald

Einer davon ist das Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Sie geht zurück auf den letzten Großherzog von Hessen-Darmstadt, der das Künstlerhaus 1899 ins Leben rief. Und wer hätte gedacht, dass ein russischer Zar zur Sommerfrische in den Odenwald kommt und bis 1910 alljährlich nach Schloss Heiligenberg reiste.

Das Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Foto Cornelia Lohs
Das Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Foto Cornelia Lohs

Er war nicht der einzige Adlige mit enger Verbindung zu Schloss Heiligenberg. Der erst kürzlich verstorbene Ehemann von Queen Elisabeth, Prinz Philipp, trug seit 1922 den Mädchennamen seiner Mutter: Mountbatten. Er ist eine anglisierte Form des Namens der Fürsten und Fürstinnen von Battenberg, deren Stammsitz das Schloss war.

Schloss Heiligenberg, Wiege britschen Adels und ein russischer Zar in der Sommerfrische. Foto Cornelia Lohs
Schloss Heiligenberg, Wiege britschen Adels und ein russischer Zar in der Sommerfrische. Foto Cornelia Lohs

Wie es dazu kam erzählt Cornelia Lohs in ihrem lesenswerten Reise- und Kulturführer für die Mikroabenteuer im Odenwald. Aber nicht nur davon. Auch Wandertouren auf düsteren Himmelsleitern, und auf dem Katzenbuckel, dem „Mount Everest des Odenwalds“ bis zum „Mikrogenussabenteuer“ in Rüdenau nimmt sie alles genau unter die Lupe.

Wen wundert es da, dass die Irlandkennerin an der Whisky Destille St. Kilian im bayerischen Teil des Odenwaldes einfasch nich vorbei gehen konnte.

Bilder oben: Himmelsleiter, Stufen zur Gipfelregion Königstuhls, Kellereihof in Michelstadt, winterlicher Katzenbuckel, Destillengründer Andreas Thümmler und Master Distiller Mario Rudolf. Fotos: Cornelia Lohs

Fazit: sehr informativ!

  • Hohe Informationsqualität
  • Gute Struktur mit zahlreichen Tipps
  • Schöne Sprache
  • Ansprechendes Layout
  • Kompakt

Das Taschenbuch ist im Verlag 360° medien in  1. Auflage (April 2021)  erschienen, 256 Seiten, 180 Fotos, 7 Karten; Format: 16,5 x 11,5 cm; ISBN: 978-3-96855-076-3

Die Autorin: 

Für Cornelia Lohs stand schon im zarten Alter von 12 Jahren fest: sie will Journalistin werden. Als Freiberuflerin arbeitet sie einige Zeit als Verbraucherjournalistin und Dozentin für Wirtschaftsenglisch.

Zum Reisejournalismus kam sie erst 2008 durch ihren amerikanischen Ehemann. Ein Leben in den USA kam für die gebürtige Heidelbergerin nicht in Frage. Sechs Jahre pendelt sie zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Irgendwann begann sie über ihre Abenteuer hauptsächlich in den Staaten, Kanada uns Südamerika zu schreiben.

Heute lebt Cornelia Lohs mit ihrem Mann in ihrer Heimatstadt und berichtet für verschiedene Medien und Verlage über ihre Reisen.

Zum Online-shop des Verlags:  360° medien

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