Die Burg Burghausen im 6×6 Format und in Schwarz und Weiß

Der Münchner Fotograf Daniel Mittermeier zeigt anlässlich des tausendjährigen Stadtjubiläums von Burghausen in der Rathausgalerie der Stadt Bilder von der längsten Burg der Welt. Über 1051 Meter erstreckt sich die alte Wehranlage auf einem Felsrücken hoch über der Stadt am Ufer der Salzach.

Nebelschwaden über dicken Mauern und knorrigen Bäumen. Dramatische Wolkenformationen. Markante Kanten zwischen Licht und Schatten, die gelegentlich ganz und gar in ihren Gegensätzen von grellem Weiß und tiefem Schwarz aufgehen.

Daniel Mittermeier drückt erst dann den Auslöser seiner 50 Jahre alten Kamera, wenn alles stimmt. Der Bildaufbau, die Wolkenformation und hin und wieder warte er, bis eine Person vorbeiläuft, die im Grenzbereich von Licht und Schatten wie ein Scherenschnitt die Welten wechselt.

Als Tourist auf die Burg von Burghausen

Auf die Burg von Burghausen kam er als Tourist. Sein Blick auf die 1000 Jahre alte Wehranlage ist aber keinesweges der eines Touristen. Die 35 atmosphärisch starken Schwarz-Weiß-Fotografien sind im Laufe von vier Jahren entstanden. Zu ganz unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten und in verschiedenen Wettersituationen. Dramatische Aufnahmen, in starken Kontrasten und mit teilweise großen Tonwertschwankungen. Lediglich die nebelverhangenen Burghöfe erscheinen in subtileren Grauschattierungen.

 

1000 Jahre Burggeschichte verlieren sich in der Zeitlosigkeit der Schwarz-Weiß-Fotografie, die wie kein anderes fotografisches Stilmittel für zeitlose Ästhetik steht. Mittermeier hat in seinen Fotografien bewusst auf moderne Attribute wie Passanten, Autos oder Zeichen eines modernen Lebens verzichtet. So lässt sich die 1000 Jahre alte Burg in keiner Zeit oder Epoche verorten.

Die Burg Burghausen der „der Zeit entrissen“

Auch fotografisch nicht. „Man sieht nicht, ob das Bild aus den Anfängen der Fotografie vor 100 Jahren stammt oder heute entstanden ist. Ich habe die Burg so der Zeit entrissen“, sagt Daniel Mittermeier. Gleichzeitig hat er dem Bauwerk durch Konzentration auf  Form, Atmosphäre und Licht der Schwarz-Weiß-Fotografie seine Zeit zurückgegeben, die weit über 100 Jahre Fotografie hinausragt.

Seine Aufnahmen mit einem starken Filmkorn auf mattem Papier erinnern in ihrer Textur an alte Kohle oder Kreidezeichnungen und lassen die gewaltige Wehranlage, die nie angegriffen wurde, im Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart erscheinen.

50 Jahre alte Kamera Pioniere der Fotografie

Kaum eine Kamera hätte die monumentale Ausstrahlung des bekannten Burghauser Wahrzeichens wohl besser einfangen können, als eine mehr als 50 Jahre alte Hasselblad-Kamera 500 C/M. Ihr Mittelformat von 6 x 6 Zentimetern gibt im Negativ das Format Quadrat vor. Mittermeier hat es beibehalten.

„Die Hasselblad ist mit dem Format in der Kunstfotografie lange der Goldstandard gewesen“, sagt er. Die Filme haben ein gewisses Filmkorn, das auch in Mittermeiers Bildern deutlich sichtbar ist. Es verleiht dem Bild neben den starken Kontrasten auch Textur und Lebendigkeit und damit eine Authentizität, wie es nur die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie vermag.

Die Burg Burghausen im 6 x 6 Format

„Ich wollte die Bilder nicht beschneiden. Ganz bewusst nicht.“ Kein Bild sei gerahmt. Den Rahmen gebe stattdessen die analoge Technik vor. „Man sieht den feinen schwarzen Rand, der das Ende des Negativs ist“, sagt er. „Ich finde es reizvoll, wenn man das Bild zeigt, wie es aufgenommen wurde.“ Die Schwarz-Weiß-Filme, in deren lichtempfindlicher Schicht sich Silberhalogenidpartikel befinden, werden bei der Aufnahme belichtet. So entstehen daraus im Entwicklungsprozess Silberpartikel.

Diese bilden die Kornstruktur eines Schwarz-Weiß-Negativs. Bleibt man der analogen Bearbeitung treu, entsteht anschließend im Labor unter Einsatz von Chemikalien der Abzug auf Papier.

Moderne Technik, historische Anmutung

Mittermeier hat für seine Burg-Serie die Techniken gemischt und die Vorzüge der digitalen Bildbearbeitung dem analogen Negativ zur Seite gestellt. Dazu hat er die Negative mit seiner LeicaM 11 – „sie gibt mir ein fast analoges Arbeitsgefühl“ – abfotografiert und anschließend in Photoshop digital bearbeitet.

Jedes Bild ist ein Unikat. Während der Ausstellung können die Besucher auch einen Blick auf das Negativ der Hasselblad werfen. Bei einer rein analogen Entwicklung läge der Preis deutlich höher als 99 Euro pro Bild, sagt der Sohn eines Künstlerehepaars, Grafikdesigner und ehemalige  Chef einer Werbeagentur.

30 Jahre lang hat er in der Werbung gearbeitet, bis er es satt hatte. Heute ist Mittermeier „Privatier“, wie er sagt, und will Menschen mit seiner Arbeit vor allem „glücklich machen“. Dazu hat er die Fotoschule „Blendenschule“ in München gegründet. Hier gibt er sein Wissen als Streetfotograf vor allem in Einzelcoachings weiter.

Infos:
Ausstellung bis zum 26. August 2025 in der

Rathausgalerie,

Stadtplatz 112, 84489 Burghausen,
geöffnet Montag bis Donnerstag
8 bis 17 Uhr und Freitag 8
bis 12 Uhr. www.burghausen.de

Empfehlenswert ist auch Mittermeiers Buch „Shades of Streets“ – Perspectives of Street Photography, das u.a. im Haus der Fotografie in Burghausen erhältlich ist.

Weitere Ausstellungen siehe www.blendenschule.de

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