Im Innviertel „geht’s jetzt rund“. Und zwar auf zwei Rädern und auf neuen Radrouten durch Bayern und Oberösterreich,, die hier gemeinsam als „s’Entdeckerviertel firmieren. Ende Mai 2025 wurde die neue R203 Entdeckerradtour mit vier großen Varianten offiziell eröffnet. Eine Mischung aus Panorama und Seen Tour im Süden und mit Bayern im Westen. Mein Urteil: Absolut entdeckenswert!
Ganz gleich von wo man startet, der Einstieg in die rund 180 Kilometer lange Entdeckerradtour entlang von Salzach, Inn und durch das Mattigtal ist überall möglich. Und ja! Gleich schön! Vielerorts kann man direkt vom Bahnhof aus los fahren. Etwa von Süden kommend in Kleinköstendorf nördlich von Neumarkt am Wallersee. Auch in Wildshut ganz im Süd-Westen. Oder aber im oberösterreichischen Braunau, der größten Stadt des Innviertels nur einen Brückenschlag über den Fluß entfernt von den Bayern.

Seit Jahr und Tag lebt, arbeitet und feiert man hier grenzüberschreitend. Und so war es den Touristikern selbstverständlich eine Route zu entwickeln, die wie die Bayern und Innviertler sagen „drent und herent“, also in Bayern und in Oberösterreich, sowohl landschaftliche als auch kulturelle und kulinarische Höhepunkte beider Regionen vereint.
Eine Tour, die wie gemacht ist für Genießer. Mit ebenen und kaum befahrenen Wegen durch Wiesen und Felder. An Fluss- und Seeufern entlang und durch Orte, in denen Bischöfe und Fürsten Geschichte schrieben in gewaltigen Kirchen und auf mächtigen Burgen. Eine verlockend schöne Strecke entlang wilder Moorlandschaft, über Schotter und Asphalt, durch Auwälder an Inn, Mattig und Salzach hindurch und immer mal wieder auch über sanft hügeliges Land mit Blick auf das Alpenpanorama.
Entdeckerradtour ist eine Tour für Jedermann
Mit brennenden Waden oder keuchenden Lungen muss dennoch niemand am Abend ins Bett fallen. Denn eines ist Tourismuschef Georg Bachleitner vom Entdeckerviertel wichtig: „Die Entdeckerradtour ist etwas für Jedermann.“ Vom Sportler über den Ambitionierten bis zum Genussradler.

Gemütlich soll sie sein und genussvoll. So lässt sich hier nicht nur entspannt radeln sondern auch genüsslich einkehren in kleinen, idyllischen Landgasthöfen. Eine Tour für Leib und Seele.
Wie viel Muskelkraft der Fahrer einsetzt, hängt ganz von seinen Vorlieben ab. Sportliche werden das Gravelbike nehmen. Genießer eher das E-Bike bevorzugen. 180 Kilometer liegen vor uns, die wir ohne Eile in vier Tagen radeln. Mal mit und mal ohne elektrische Unterstützung. Ganz im Sinne der Campagne „Radl’n genießen – Echtes entdecken“ in Oberösterreich, Salzburg und Bayern.
Die vier großen Varianten der Entdeckerradtour
Vier große Varianten bietet die R203 Entdeckerradtour. Die Panorama und Seen Varianten nur in Österreich. In der Karte bezeichnet als „Entdecker Panorama mit Ö-Steite“ (162 km), „Entdecker Seen mit Ö-Steite“ (151 km), und die Panorama und Seen Varianten mit Deutschland, laut Karte „Entdecker Panorama mit D-Seite“ (186 km) und „Entdecker Seen mit D-Seite“ (171 km).

Die Karte ist hervorragend auch mit Zufahrten aus anderen großen Strecken, die an einigen Stellen identisch verlaufen wie der Tauernradweg, der Benekiktweg oder der Salzhandelsweg. Zu allen, auch kleinsten Streckenabschnitten gibt es ausführliche Beschreibungen mit vielen Tipps. Jeder Einzelne ist mit einem QR-Code versehen, so dass man bequem auf die digitale Version zugreifen kann.
Braunau: Start der Entdeckerradtour
Noch bevor wir die E-Bikes in der alten Handelsstadt Braunau in Empfang nehmen besichtigen wir das Wahrzeichen der Stadt. Mit 87 Metern Höhe ist der Kirchturm der Pfarrkirche St. Stephan einer der höchsten in Österreich. Von der Aussichtsgalerie blicken wir auf den gotischen Stadtplatz, die pastellfarbenen Häuser, beschauliche Gassen und das romantische Malerwinkel. Noch heute ist die alte gotische Handelsstadt Heimat einiger weltweit agierender Unternehmen.


Die Entdeckerradtour führt uns zu acht innviertler Seen und über alle fünf kleinen Städte mit einem historischen Stadtkern Braunau, Mattighofen, Tittmoning, Burghausen und Simbach. Schon früh hatten die alten Handelswege entlang der Flüsse den Stadtherren Wohlstand gebracht, was sich noch heute in der prächtigen Architektur spiegelt in ihrem typischen Inn-Salzach-Stil mit hohen Häuserfassaden und Grabendächern spiegelt. Auch barocke Elemente findet man, die von Wohlstand und Kunsthandwerk zeugen.
Entdeckerradtour in abwechslungsreicher Natur
Dazwischen passieren wir eine abwechslungsreiche Landschaft mit einzigartigen Naturräumen. Die Inn-Salzach-Auen mit dem wildromantischen Salzach-Durchbruch im Nordwesten gehören zu der ersten Natur-Schönheit, die wir auf dieser Strecke erleben. Das Vogelparadies Hagenauer Bucht im „Europareservat Unterer Inn“ weiter nordöstlich, mit seinen unberührten Auwäldern schließt unmittelbar an und ist Heimat von mehr als 300 Vogelarten.
Danach fahren wir eine weite Schleife Richtung Südwesten und biegen bei Aselkam links ab auf die Route flussaufwärts entlang der Mattig mit ihren verborgenen Wildbadeplätzen und köstlichen Flussforellen über Helpfau-Uttenberg nach Mattighofen und Munderfing. Zeit für einen süffigen Zwischenstopp in der Brauerei Vitzthum in Uttendorf, der Brautradition bis in die Zeit um 1600 reicht. In Mattighofen lohnt ein Besuch der KTM Motohall, für alle Liebhaber des Rennsports. Munderfing liegt auf 468 Metern am Rande eines der größten geschlossen Waldgebiete Mitteleuropas, dem Kobernaußerwald. Hier bleiben wir über Nacht im Hotel Weiss.
Entdeckerradtour: Hügelige Panorama-Variante
Tags darauf fahren auf ein kleines Hochplateau nach Lochen am See, umgeben von Wäldern und sanften Hügeln über Wald und Wiesenwege ohne Autoverkehr. Lochen grenzt an den Mattsee. Der Naturbadestrand ist ein beliebter Ausflugsort im Sommer. Bezaubernde Badeseen zum Teil mit kleinen Gasthäusern und Strandbad findet man in der gesamten Region. Vom Aussichtspunkt Gebertham und auch vom Friedensplatz Rödhausen hat man einen weiten Ausblick ins Salzburger Land und eine schöne Aussicht auf den Salzburger Grabensee, dessen Strandbad jedoch im oberösterreichischen Perwang liegt.


Noch immer ist es frisch am Morgen. Noch immer zerrt der Wind an Baumwipfeln und Wiesenkräutern. Es soll besser werden, verkündet der Wetterbericht. 60 Kilometer liegen vor uns bis zum Etappenziel Holzöster, wo wir am Abend im Hotel Seewirt erwartet werden.
Ab Lochen am See führt der Weg nach Westen bis Perwang. In Perwang steht der erste Variantenwechsel an. 1779 verlief hier noch die Grenze zwischen dem Bistum Salzburg und dem bayerischen Innviertel. Das Zollhäusel heute ein Museum kann auf Anfrage besichtigt werden. Ein kurzer Abstecher an den Grabensee mit dem idyllischen Strandbad liegt auf dem Weg.
Mächtige Kirchen und Klöster
Schon einige Kilometer vorher im sanften Auf und Ab der Landschaft kündigt sich Kirchberg bei Mattighofen an mit seiner weithin sichtbaren spätgotischen Pfarrkirche der Hl. Kunigunde und ihrem 72 hohen Turm. Die Gemeinde ist bekannt für ihre hervorragenden traditionelle und regionale Küche. Beim „Onkel Heli“ kehren ein und nutzen auch die Gelegenheit für eine kleine Wanderung zum Mattsee und auf den Gaisberg zum Friedenskreuz. Von hier blickt man weit in die bayerische und österreichische Bergwelt.

Inzwischen weht nur noch ein laues Lüftchen. Ruhe liegt jetzt über dieser facettenreichen Landschaft wie ein leichtes Tuch und das Surren der Räder ist fortan unser steter Begleiter. Auf der deutlich hügeligeren Panorama-Variante geht es weiter bis Eggelsberg, vorbei am Ibmer oder Heratinger See, zur Oberinnviertler Seenplatte gehört zum Ibmer Moor am nördlichen Rand des ehemaligen Salzachvorlandgletschers.
Einzigartiger Naturraum Ibmer Moor
Hinter Eggelsberg erwartet uns einer der landschaftlichen Höhepunkte der R203 Entdeckerradtour. Das Ibmer Moor ist ein Ort der Mythen und Geschichten die man auf drei Rundwegen erkunden kann. Vor 12000 Jahren zog sich der Salzachgletscher zurück. Er hinterließ eine Moränenlandschaft aus Höhenrücken und Endmoräne, das Ibmer Moor und das Weidmoos in Salzburg. Zusammen bilden sie das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs.
Maria Wimmer erwartet uns am Eingang des Natur- und Europschutzgebietes Pfeiferanger. Zu Fuß führt sie uns auf den Holzstegen des kleinen Moorlehrweges über den saftig feuchten Grund der fast urzeitlich anmutenden Landschaft.
Die Natur- und Landschaftsvermittlerin gilt als DIE Moorführerin in Oberösterreich und lässt uns gerne an ihrem enzyklopädischen Wissen über das Biotop Moor teilhaben. „Selten und sensible“ sei diese Landschaft. Voller unscheinbarer Pflanzen und Tiere, von denen viele auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Das Ibmer Moor ist als Vogel und Pflanzenschutzgebiet ausgewiesen und das bedeutendste Wiesenbrüter-Gebiet in Oberösterreich. Wir lauschen dem „Meckern“ der Bekassine und den Stimmen von Kiebitz und Schwarzkelchen oder kleinen Wasserfröschen, die sich den Feucht-Wiesen unter dem Mischwald verstecken.
Seen-Variante und die Bayern Variante
Gut ausgeruht brechen wir am folgenden Tag vom Hotel Seewirt zu unserer dritten Tagestour auf. Zunächst Richtung Franking über Ibm, wo wir eine zweites Mal die Variante wechseln. Wieder auf der Seen-Variante radeln wir nach Haigermoos zur Doppelkirche aus dem 15. Jahrhundert. Das außergewöhnliche sakrale Bauwerk besteht aus zwei übereinander gebauten Kirchen. Durch einen Schlitz in einer Marmorstufe kann man einen Blick in die geheimnisvolle Unterkirche werfen.

Nächster Stopp ist der kleine Höllerersee – mein persönlicher Favorit unter den Seen. Zwischen Haigermoos und Höllerersee bis St. Pantaleon wird es noch einmal hügelig und mehr als einmal schalten wir vom Eco- in den Tourmodus.. Hinter St. Pantaleon fahren wir noch einen kurzen Abstecher zum Gut Wildshut der Salzburger Stiegl Brauerei direkt neben der Burg. Von nun an führt der Radweg nach Norden schnurgerade an der Salzach entlang bis wir auf der Höhe von Ettenau links abbiegen und über die alte Brücke die Grenze nach Bayern queren auf die Bayern-Variante nach Tittmoning.


Links hinter der Brücke fähr man direkt auf den Marktplatz von Tittmoning , wo uns wieder der typische Inn-Salzach-Stil empfängt. Sehenswert sind hier das historische Rathaus, der Florianibrunnen, der Storchenbrunnen und die Mariensäule. Über der Stadt wacht die Burg aus dem 13. Jahrhundert, die einmal den Erzbischöfen von Salzburg als Sommerresidenz diente. Tittmoning lebte einst gut von der Salzschifffahrt. Heute kann noch mit den typischen Flachbooten, den Plätten auf dem Fluß kleine Ausflüge unternehmen.
Jazz-Größen und Burg-Fräulein
Von Tittmoning führt der Radweg über unzählige Kurven direkt in die Bayerische Jazz-Hauptstadt Burghausen mit ihrer „Street of Fame“ des Jazz auf dem auch Jazz-Größen wie Cassandra Wilson verewigt sind und ihrem mondän-bodenständigem Flair. Zuvor aber kehren ein in der Dorfwirtschaft Asten und genießen das inzwischen herrliche Wetter und die ausgezeichnete Küche.

Ein beliebter Treffpunkt für Radfahrer, die von dem gut 700 Kilometer langen und weitläufig verzweigten Radwegenetz der Zweiländer Region hier Rast machen. „Auch hier kann man immer mal die Seite wechseln“, sagt Tourismuschef Bachleitner. Also „drent oder herent fahren“. Kurz vor der Stadt schmiegt sich das Kloster Raitenhaslach idyllisch in eine enge Flussschleife direkt an das Salzach-Ufer.


Hier machen wir noch einmal eine kurze Pause zwischen Spiritualität und Kunstgenuss
Burghausen empfängt uns anschließend mit der längsten Burg der Welt. 70 Meter über der denkmalgeschützten Altstadt mit pastellfarbenen Häusern. 1051 Meter lang und ausgestattet mit sechs Burghöfen ist sie Zeugnis der Geschichte bayerischer Herzöge. Die geschichtsträchtig Wehranlage von Burghausen wurde nie angegriffen und auch nie erobert. Noch heute leben 200 Menschen auf dem einzigartigen Essemble hinter den historischen und efeuumrankten Tuffsteinmauern.


Von hier hat man einen überwältigen Blick auf die Stadt, die Salzach und bis hinüber zu den Alpen. 90 Minuten lang führt uns Sandra Heikenwälder im milden Licht der Abendsonne durch das denkmalgeschützte Anwesen, dessen Anfänge bis ins achte Jahrhundert reichen. Genussvoll klingt der Abend schließlich im Burgcafé aus, bei Brot und Wein kulinarisch kunstvoll vereint.
Entdeckerradtour zurück nach Braunau
Am Morgen wachen wir „herent“ auf also in Österreich, im Hotel Burgblick, das seinem Namen alle Ehre macht. Der letzte Tag der R203 Entdeckertour bringt noch einmal einige wenige Höhenmeter. 180 genauer gesagt auf 38 Kilometern. Nach der gut bewachten Brücke über die Salzach führt die Strecke auf der bayerischen Seite von Burghausen am Fluss entlang bis zur Mündung in den milchig grünen Inn. Fein zerriebenes Gestein gibt dem Gebirgsfluss seine einzigartige Farbe. Das Wasser des Inns bezeichnen Einheimische deshalb auch als „Gletschermilch“.
Die letzten Kilometer führen am Inn entlang über den Damm Richtung Waldsee und schließlich in die bayerische Eisenbahnstadt Simbach am Inn. 1883 bis 1897 schrieb die kleine Stadt große Eisenbahngeschichte. Auf seinem Weg von Paris nach Konstantinopel wählte der luxuriöse Orientexpress zwischen München und Wien die kürzeste Strecke über Mühldorf und passierte dabei auch die Stadt Simbach, ohne jedoch dort Halt zu machen. Eine historische Dampflok vor dem Bahnhof erinnert noch immer an Simbachs Blütezeit der Eisenbahntradition.


Für uns sind es nur noch einpaar Radumdrehungen über die Staatsbrücke nach Braunau. Hier wo die abwechslungsreiche R203 begann endet unsere Entdeckertour. Mit einem kleinen Zwicken in den Waden und jede Menge Eindrücken im Kopf treten wir die Heimreise an, bei herrlichem Wetter und der Lust mehr Entdeckerradtouren. „Drent oder herent“. Ganz nach Gusto. Aber sicher auf zwei Rädern.
Gut zu wissen:
Einkehren:
GUGG Lounge (Braunau am Inn)
Beim. „Onkel Heli“ (Kirchberg bei Mattighofen)
Dorfwirtschaft Asten (Tittmoning)
Wirt ‚ z’Weissau (Lochen am See)
Hotel Seewirt (Restaurant in Holzöster)
Burg Café Burghausen (Burg Burghausen)
Übernachten:
Hotel Weiß www.gasthof-weiss.at
Hotel Seewirt www.derseewirt.at
Hotel Burgblick www.altstadthotels.net
Offizielle Badeseen:
Grabensee Strandbad bei Perwang, Holzöstersee in Franking, Höllerersee zwischen Haigermoos und St. Pantaleon, Ibmer Heratingerser in Eggelsbach, Leitgeringersee bei Tittmoning, Waldsee bei Simbach, Wöhrsee Burghausen
Die bekanntesten Bäcker des Entdeckerviertels:
„The fastest baker“, Lukas Höllbacher, Europas bester Bäcker, Simon Sailer, der Poet unter den Bäckern Michael Zagler, Österreichs kleinste Biobäckerei von Franziska Stranzinger oder Brot Somilière Viktoria Hönegger:
Mehr kostenlose Infos und Kartenmaterial in der Tourismusbüro Entdeckerviertel, Theatergasse 3 in Braunau oder unter www.entdeckerradtour.at
Das Radtouren Projekt Interreg Bayern-Österreich wurde kofinanziert von der Europäischen Union
Alle Fotos mit Ausnahme der Karte: Flora Jädicke
Ein kurzes Video zur Tour vom Wiener Kollegen Claudius Rajchl mit einem Statement von mir findet Ihr hier.