„Sylt im Gegenlicht“ – Bilder von Tom Tautz

Mit Sylt konnte ich nie viel anfangen. Zu teuer, zu selbst verliebt, zu gewollt, zu….. Ach was ist mir nicht alles eingefallen, um nicht dort hin zu wollen. Aber dann kam dieses Bild. Und es hat mich förmlich weggeblasen. Als wäre ein Sturm aufgezogen, gegen all die Vorurteile. Denn freilich hat auch Sylt seine ganz eigene Seite. Eine Seite die man selten sieht und die einem auch selten präsentiert wird. Einer, der das kann wie kein anderer ist der Fotograf Tom Tautz. Eine Hommage an die schwarz-weiß Fotografie.

„Sylt im Gegenlicht“ alle Fotos: Tom Tautz

Mehr als 40 Jahre hat er auf Sylt Urlaub gemacht. Was dabei entstand ist mehr als ein paar gute Fotos. Ein Typ im Meer. Schwarz-weiß dazu. Sonst nichts. Tom Tautz Blick auf Sylt hat mich wie kaum ein anderer eingenommen für diese Nordsee-Insel, die, so hat es einst das deutsche Flaggschiff der Yello-Press, die Bunte, verkündet, ohne eben diese gar nicht existieren würde. Nicht in den Köpfen des längst überholten Jet-Set und auch nicht in den Köpfen der Häuser-Spekulanten und Immobilienpreistreiber.

Aber sie existiert. Ganz real und stellenweise wunderschön. Geliebt von Menschen, die dort aufgewachsen sind, dort leben oder immer wieder hinfahren, wie Tom Tautz. Warum macht er das nur?

„Sylt, das war immer ein Sehnsuchtsort für mich“, sagt er. „Das ist irgendwie eine ganz persönliche Sache. Nicht einfach nur ein Job.“ 40 Jahre lang ist er immer wieder hingefahren. Von Wolfsburg aus, seiner Heimatstadt. Oder von sonst irgendeinem anderen Fleck der Welt, an dem er seine Fotos macht und über Corporate Blogs Geschichten erzählt. 40 Jahre lang. Seit seiner Kindheit, lotet er das Verhältnis aus zu dieser Insel, die zu Unrecht auf ihre „Pablissity-Geilheit und all die Neureichen“ beschränkt wird. In Tom Tautz Erinnerung lebt die Landschaft, das Treffen mit Freunden und markigen Insulanern. „Selbst Kampen hat schöne Orte und tolle Menschen“, sagt er.

„Last Edition“ – Porträts von Menschen auf Sylt

Die Insel ist ja relativ klein und Insulaner gibt es nicht viele. Tom glaubt: „Man muss sie suchen und ihnen mit einem offenen Herzen begegnen.“ Dann erfährt man die wirklich interessanten Dinge über Sylt. Dass die Geburtsklinik geschlossen wird und dass es schrecklich ist für die Inselbewohner. Dass die Inselkinder aussterben. Tom Tautz hält das alles fest in seinen Bildern und gibt ihnen in seiner „Last Edition“ einen Platz. Porträts von Menschen, die tatsächlich auf der Insel geboren wurden. 20 sollen es werden. Freilich hat er auch über Sylt einen Corporate Blog geschrieben. „Tom auf Sylt“. Eine bunte, schrille Werbung auf Facebook. Das gehört auch zum Geschäft dieses ansonsten so ausdrucksstarken Photographen. Fingerübungen sind das. Aber er kann auch anders. Dann wenn er Projekte macht, die ihm ein Anliegen sind, wie „Sylt im Gegenlicht“.

Sylt Bilder „von hinter der Postkartenansicht“

Tom Tautz Bilder sind eine Metapher für den Alltag im Leben. Auf magische Weise nehmen sie ihm das Schaurige. Geben ihm eine eigene Ästhetik. Sie zeigen Realität, Langeweile, das Normale und das Alltägliche. Vieles wird kaum gesehen und nur selten wahrgenommen. Wenn Tom Tautz es mit seiner Kamera einfängt, will man hinsehen. Sie entstehen meist mit einer Leica M 240 und 35 oder 50 Milimeter Objektiven oder mit einer Leica M Monochrom.

Seine Bilder sind starke Statements mit einer kontrastreichen Bildsprache. „Das ist die Ansicht von hinter der Postkarte“, sagt er. Für Sylt hat er sie bewusst noch einmal überzogen. Irgendwie passt auch das wieder zu dieser Insel. „Farbe“, sagt er, „das wäre zu nah am typischen Bild gewesen.“ Für „Sylt im Gegenlicht“ brauchte es einen starken Kontrast wie Schwarz und Weiß, um gegen das Gängige und das Vorurteil anzustehen. So gut wie nichts ist inszeniert. Auch seine Porträts von Insulanern, nimmt er wie sie kommen. „Eher ändere ich mich“, sagt er.

Was dabei herauskommt kann man in zahlreichen großen und kleinen Projekten sehen. Mit einem Miniboot, dem Sammelschiffchen in 19 Tagen auf 2000 Kilometer von der Nordsee bis in die Alpen für die Seenotrettung zum Beispiel. Unter dem Titel „#bootstour“ hat er fast in Echtzeit 12 Geschichten rund um die Rettung erzählt. Nicht nur in Fotos. Oft hat er Videofilmer mit an Bord und er erzählt seine Geschichten als visual Storyteller und auf seinem Blog.

Try and Error – wie im Leben

Sein Geld verdient er mit Corporate Blogs wie „Tom auf Sylt“, dem witzig-pfiffigen Wiehnachtsmann auf Wangerland oder viewfinder #harz. Von 1999 bis 2014 war er CEO und Art Dirctor für Werbung bei KARMA Kommunikationsdesign. Später machte er sich mit Tom Tautz Artwork selbstständig. Seither produziert er seine eigenen Geschichten. „Die Menschen haben einfach ein Bedürfnis nach Geschichten“, sagt er. Und die von Tom Tautz erzählen in Fotos und Blogs immer auch mal von der Seite „hinter der Postkarte“, wie „Sylt im Gegenlicht“. Feinfühlige Ansichten mit starkem Ausdruck.

Dabei hat er sich das Fotografieren als Quereinsteiger nach dem Abitur selbst bei gebracht. „Mit einer bewährten Methode: try and error“, sagt er. „Wie im Leben“. Gut, die Eltern waren erfolgreiche Werbe-Fotografen. Ein bisschen hat er das Handwerk also schon mit der Muttermilch aufgesogen. Die Kraft seiner Bilder aber und die Liebe zu Sylt, die kommen aus ihm selbst. „Ich habe einfach solches Glück, das es mir leicht fällt“. Darüber freut sich der Vater dreier Kinder und hinterfragt es nicht. Die Orte, an denen er seine Fotos macht, aber wohl. Tom Tautz Fotos verleihen ihnen eine seltsame Magie. Das hat auch mich irgendwie für Sylt eingenommen.

Copyright der Bilder alle Tom Tautz, inklusive dem Titelbild.

Hier findet ihr Tom Tautz Bilder und alles was er sonst so treibt:

www.tomtautz.de

www.sylt-im-gegenlicht.de

www.luvundlue.wangerland.de

www.facebook.com/tomaufsylt

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