Das Cabo de Gata – Ein Geheimtipp und ein neuer Reiseführer

Spaniens Traumstrände liegen an den Küsten Andalusiens. Die Reisejournalistin Ulrike Wiebrecht hat für den „via Reise Verlag“ das Cabo de Gata besucht und an der südspanischen Küste einen echten Geheimtipp aufgespürt. Die schönsten Strände und Dörfer, die besten Restaurants und den richtigen Platz für einen Mojito hat sie auf knapp 180 Seiten zusammengefasst.

Von Flora Jädicke

Wer hätte das gedacht? An der spanischen Küste gibt es noch unverbaute Strände. Zumindest jenseits der Hauptsaison haben Reisende die kaum bekannte Mittelmeeridylle fast für sich alleine. Der Naturpark Cabo de Gata heißt ganz offiziell Parque Natural Cabo de Gata-Nijar und ist seit November 1997 Biosphärenreservat der UNESCO. Östlich von Almeria verläuft sein einzigartiger Küstenstreifen im Südosten Andalusiens. 63 Kilometer Küste. An ihr reihen sich kleine Buchten mit lauschigen, weiß strahlenden Dörfern und seichten Sandstränden dicht an einander. Der halbwüstenartige Küstenstreifen ist vulkanischen Ursprungs. Und ganz nebenbei ist er nicht nur der erst Naturpark Andalusiens, sondern auch einer der größten Meeres- und Naturparks im gesamten westeuropäischen Mittelmeerraum.

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Der Playa de los Genovese. Einsame Strände jenseits der Hauptsaison. Foto: Ulrike Wiebrecht.

„Diese Landschaft hat mich schon fasziniert, als ich vor Jahren auf der Durchreise war“, sagt die Reisejournalistin und Buchautorin Ulrike Wiebrecht im Gespräch. „Es war also gar keine Frage, als der Verlag auf mich zukam und mich für den Reiseführer geworben hat. Ich wollte es unbedingt machen. Das ist ein ganz spezieller Teil Spaniens. Mit unverbauten Stränden und den kleinen und im besten Sinne zurückgebliebenen Dörfern. „

Lust auf  das Cabo de Gata und seine einsamen Strände

Heraus gekommen ist ein kleiner Reiseführer, der Lust auf das Cabo de Gata macht. Und nicht nur das. Diese Büchlein, zeigt einmal mehr, dass der „via Reise Verlag“ es schafft wirklich lesenswerte Reiseführer zu publizieren. Schon vom Hiddensee-Reiseführer, den ich bereits im Sommer vorgestellt habe, war ich angetan. Auch der Band über das „Cabo de Gata“ besticht durch seine weitreichenden Informationen, die nicht einfach aufgelistet werden. Die Geschichten rund um die „Traumstrände“ und Landschaften von San José rund um Agua Amarga, Rodalquilar und Las Negras oder Almería sind gut erzählt und gleichzeitig eine gute Vorbereitung für die Reise.

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Die Reise zum Cabo de Gata führt durch vier Kategorien. Das Buch folgt dieser Struktur. Nach einem sehr informativen „Willkommen am Cabo de Gata“ erfährt man viel über „Land & Leute“. Wie sich das Cabo de Gata „von der Halbwüste zum Naturpark“ entwickelte. Ulrike Wiebrecht berichtet in „Landschaft & Umwelt“ auch vom längst vergangenen Bergbau in der Region, von alten Festungen und den weißen Dörfern liest man im Kapitel „Kunst & Kultur“. Was Federico Garcias Lorcas „Bluthochzeit“ mit ihnen zu tun hat und wie Hollywood nach Almería kam. „Reisepraktisches“ gibt es wie gewohnt in Kapitel zwei. Hier erfährt man auch, dass die flach abfallenden Sandstrände des Kaps auch hervorragend für den Urlaub mit Kindern geeignet sind. Dass es überall gutes Internet gibt, aber nicht in jedem Ort eine Tageszeitung und wo man in den lauschigsten Landhotels übernachtet.

Traumstrand El Playazo, mit dem Castillo de San Ramón.. Foto. Ulirike Wiebrecht
Traumstrand El Playazo, mit dem Castillo de San Ramón.. Foto. Ulirike Wiebrecht

Die „Orte & Landschaften“ werden ausführlich im dritten Teil beschrieben. San Josés Aufstieg vom „Fischerdorf zum Strandparadies“ ist ebenso interessant wie Tauchspots und Fischrestaurants rund um die Isleta del Moro. Am Ende fällt die Entscheidung für nur ein Reisezeil schwer. Da mag es helfen, dass die meisten Orte und Buchten noch echte Geheimtipps sind.  „Außerhalb der Hochsaison herrscht an vielen Stränden strikte Einsamkeit“, sagt Wiebrecht.  „Pauschaltourismus zu Dumpingpreisen ist am Cabo de Gata nicht zu bekommen“, schreibt sie. Wohl aber nachhaltigen Individualtourismus, der jedoch auch seinen Preis hat. Im Sommer würde aber auch sie nicht empfehlen an das Kap zu fahren. „Da geht es auch hier ganz schön zu“, sagt sie.

Zum Schluss widmet Wiebrecht fast dreißig Seiten sechs gut geschilderten Wandertouren durch die vulkanische Landschaft des Cabo de Gata. Jede einzelne ist die Autorin selbst gegangen. Unangenehme Überraschungen bleiben daher aus.

Es gibt jede Menge Tipps und  Bilder, dazu gut lesbare Ausschnittkarten. Die Wanderungen sind außerdem mit einem Höhenprofil versehen. Dazu macht der Reiseführer genaue Angaben zu „Charakteristik“, „Strecke“, „Entfernung“, „Dauer“ der Tour und „Ausschilderung“. Unter dem Punkt „Achtung“ gibt die Autorin Hinweise zum Verhalten in der Naturpark-Landschaft. Das Cabo de Gata ist anders als andere Reiseziele in Spanien vom Tourismus wenig berührt. Da kann es schon mal sein, dass an der Strecke keine oder nur versteckte Einkehrmöglichkeiten existieren oder auf Seitenwegen Gefahr durch überwucherte Minen lauert. Ihre ganz persönliche Hitliste der schönsten Strände am Cabo de Gata verrät Wiebrecht obendrein. Einer von ihnen ist der Playa de los Muertos, den man nur über einen steinigen und teilweise steilen Weg erreicht. „Wenn ich ehrlich bin,  habe ich am Kap viele Lieblingsstrände“, gesteht sie. Und ganz nebenbei kann man hier nicht nur in aller Ruhe sonnenbaden, sondern auch viel Kultur entdecken.

Reiseführer mit Blick für Umweltthemen und sanften Tourismus

Der Weg von der Halbwüste zum Naturpark war für die Region nicht einfach. Bis heute verläuft die Entwicklung in den Strand- und Fischerdörfern nachhaltig. Diesen Umstand verdankt die Region vor allem einem deutlichen Nein zum Massentourismus.  Deshalb zeigt der Reiseführer zwar die Schönheit der andalusischen Küstenlandschaft, setzt sich aber auch mit Umwelt und Naturschutz auseinander.

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Playa de los Muertos. Der versteckte Traumstrand ist nur über einen steinigen und steilen Weg zu erreichen. Foto: Ulrike Wiebrecht

Alles in allem macht der Reiseführer Lust auf einen echten Geheimtipp. Er ist handlich, optisch und vor allem inhaltlich bestens für die Reisevorbereitung und -begleitung geeignet. Die Hintergrundinformationen zu Umwelt und sanftem Tourismus stehen gleichberechtigt mit den Ausflugs-, Gastronimie- und Kulturtipps. Sie sind detailliert recherchiert und bieten einen wahren Schatz für Leser, die mehr wissen wollen.

Fazit: Sehr empfehlenswert!

  • Hohe Informationsqualität
  • Ausgewogenes Konzept
  • Schöne Sprache
  • Ansprechendes, zeitgemäßes Layout
  • Kompakt und übersichtlich

Das Büchlein ist durchgehend vierfarbig gedruckt, Paperback, 12 x 19,5 cm, ISBN: 978-3-945983-06-5, 1. Auflage 2016, erschienen  im via reise Verlag Klaus Scheddel, 13,95 €

Die Autorin:

Ulrike Wiebrecht ist Reise- und Kulturjournalistin und Autorin mehrerer Reiseführer. Einer ihrer Schwerpunkte ist Spanien. Von 1988 bis 1995 lebte sie in Barcelona, wo sie ihre Liebe zu Katalonien entdeckte. Sie studierte Romanistik und Philosophie in Deutschland und Frankreich. Am liebsten schreibt sie über Südeuropa, Berlin-Brandenburg und Lateinamerika.

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Bildrechte: Das Titelbild zeigt den Playa de Mónsul. Alle Bilder Ulrike Wiebrecht. Ausnahme Titelbild Cover des Reiseführers. Die Rechte liegen bei der Autorin Ulrike Wiebrecht.

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