Klein aber fein – Der erste Solar-Skilift der Welt

An den Hängen zwischen Usserbärg und Schlüechti kann man noch Skifahren wie vor 50 Jahren. Beschaulich, auf Naturschnee und ohne Stress. Nur eben mit einem Hightech Solar-Skilift.

450 Meter lang. Rund 800 Personen pro Stunde und 4,5 Kilometer präparierte Pisten.  Das sind nicht gerade beeindruckende Zahlen für ein Schweizer Skigebiet. Beeindruckend aber sind Technik und Wirtschaftlichkeit des ersten Solar-Skilifts der Welt. Nur wenige Meter oberhalb des Bündner Walserdorfes Tenna im Ortsteil Usserbärg  auf 1644 Metern sorgt er für Skivergnügen, Wachstum und sanften Tourismus. Klein aber fein.

Optimale Lage für den Solar-Skilift

Hier auf fast 1700 Metern Seehöhe scheint die Sonne besonders intesiv. Und das nicht nur im Winter. Die  knapp 100 Einwohner von Tenna haben sich die sonnenverwöhnte Lage ihres kleinen aber feinen Skigebiets im abgelegenen Safiental im schweizerischen Graubünden zu Nutze gemacht.

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Ökologisch Auf- und Abfahren.

Längst war der alte Skilift reif für das Museum. In den 70er Jahren hatte die Gemeinde Uzwil im St. Gallener Land den wenig rentablen Liftbetrieb aus den 50er Jahren übernommen und so den Tourismus in der schwer zugänglichen Bergregion gefördert. Bis heute gehört der Kommune auch das einzige Hotel am Berg. Bereits 1906 lockte die „Pension Alpenblick“ Gäste in das Walserdorf.

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Der Solar-Skilift passt sich gut ein, in den kleinen Ort Tenna.

Am Ende war der Skilift für Uzwil mehr Last als Lust und das Wintersportgebiet, das sich bis hoch auf 2283 Metern zum Schlüechti erstreckt droht einzuschlafen. Auf das winterliche Freizeitvergnügen wollten aber weder Einwohner, noch die Gäste  des kleinen Bergdorfes verzichten. „Vor etwas mehr als zehn Jahren haben wir dann den Skilift von den Uzwilern für einen symbolischen Franken übernommen“, sagt Genossenschafts-Präsident Edi Schaufelberger, der heute gemeinsam mit Einwohnern und Gästen den ersten Solarskilift der Welt in einer Genossenschaft betreibt. „Sehr erfolgreich“, wie er stolz verkünden kann. Damit haben die findigen Tennarer nicht nur den maroden Skilift vor dem Aus gerettet und ein Kleinod unter den Skigbieten erhalten. Sie haben auch ein ebenso kleines wie rentables Kraftwerk geschaffen, das seit seinem Bestehen „nur schwarze Zahlen schreibt“, sagt Schaufelberger.

Solar-Skilift ist passgenau für die Gemeinde

Von Anfang an war klar: Der Lift soll mehr können, als Skifahrer und Snowboarder den Berg hinaufbringen. Zudem hätte die Finanzierung eines herkömmlichen Liftes die kleine Gemeinde finanziell überfordert. Die  Idee für den Solarlift kam schließlich von Felicia Montalta. Sie war im Rahmen des Pilotprojekts „Enjoy Switzerland“ gemeinsam  mit der „Schweizer Berghilfe“ für die Entwicklung des sanften Tourismus im Safiental zuständig.

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Für alle ein gute Rechnung. Auch wenn die Sonne mal ausbleibt.

82 sogenannte  flexible Solar Wings haben das kleine Wirtschaftswunder möglich gemacht. Sie liefern pro Jahr rund 90 000 Kilowattstunden Strom. Für den Skibetrieb werden aber lediglich 25 000 Kilowattstunden benötigt. Den überschüssigen Strom, etwa aus den Sommermonaten, speisen die umweltbewussten Tennarer in das öffentliche Stromnetz ein. Im Winter, wenn die Solarpanels weniger Strom produzieren wird Solarstrom zugekauft. „Ein Stillstand während des Betriebs ist ausgeschlossen, weil der Lift an das Stromnetz angeschlossen ist“, erklärt Edi Schaufelberger. Darüber hinaus versorgt die Liftanlage einige Einfamilienhäuser und Biobauern im Ort mit umweltfreundlichen Strom.

184_bkatTechnisch ist der moderne Lift eine kleine Meisterleistung. Die Solar Wings sind auf einer Strecke von 330 Metern an  zwei seperaten Tragseilen über dem Schlepplift montiert, im 30-Grad-Winkel nach  Süden ausgerichtet. Sie folgen automatisch dem aktuellen Sonnenstand. Auch Schnee und Sturm könnnen ihnen nichts anhaben. Von Schnee befreien sie sich selbsttätig durch Abkippen, und bei Sturm bringen sie sich in eine sichere Position.

Flexible Hängung – 20 Prozent mehr Strom

Diese flexible Aufhängung ermöglicht es, rund 20 Prozent mehr Strom zu produzieren, als eine gleichgroße fixe Installation erwirtschaften würde. „Die Konstruktion ist eine Hightechanlage, die gemeinsam von der  Flumser Bartholet Maschinenbau AG und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW) entwickelt wurde“, erklärt Edi Schaufelfberger.

Zufrieden nimmt er einen Schluck heißen Kaffee an der Talstation. „Hier in Tenna können Sie Ihre Schwünge ziehen wie vor 50 Jahren. Ganz in Ruhe, auf Naturschnee und mit einem gemütlichen Ausklang im Pistenbeizli in der Talstation. Entspannter kann ein Skitag kaum zu Ende gehen.

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Klein aber fein sind die Abfahrten bei Tenna.

Die Reise wurde unterstützt vom Schweizer Tourismusveband www.myswitzerland.com, vom Tourismusbüro Safiental www.safiental.ch.

Weitere Informationen unter www.skilift-tenna.ch; www.pension-alpenblick.ch

Für die Slidshow auf ein Bild klicken.

Fotos: skilifttenna.ch und Flora Jädicke (Sommerfoto)

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Genossenschaftspräsident Edi Schaufelberger beim Interview am Skilift. Im Sommer wirkt die Anlage als Kraftwerk für das Bergdorf Tenna.

Weitere Informationen:

Die Technik:

Die Firma Hassler Energia Alternativa in Zillis hat die Photovaltaikanlage installiert. Sie gewann im Jahr 2000 den Schweizer Solarpreis.

Die Finanzierung:

Gesamtinvestionsvolumen: 1,3 Millionen Schweizer Franken. Die Genossensacht hat den solarbetriebenen Skilift fast ohne Bankkredit finanziert.  Die Gemeinde Tenna gab mit einem Betrag von 150 000  Franken (Erspartes aus vorangegangenen Betriebsjahren)  den Startschuss für den Solarlift.  Dazu kamen weitere 150 000 Franken aus Genossenschaftsanteilen von damals 175 Genossenschaflern.  Zinslose Darlehen und weitere Zuschüsse  kamen von den Gemeinden des Safientales, der Gemeinde Uzwil und  privaten Investoren.

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